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Brandgefährliche Voodoo-Ökonomik

Die Welt kommentiert Olli Rehns Meinung, daß Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren solle, damit es Europa besser geht, als brandgefährliche Voodoo-Ökonomik. Leider scheinen sie dahinter liegende wirtschaftliche Problematik nur begrenzt zu verstehen. Und verwechseln zusätzlich blinder Weise die Deutschen mit der deutschen Exportwirtschaft.

Wir ignorieren den populistisch-sinnfreien Vergleich des unterschiedlichen Fitnesszustandes einer Fußballmannschaft mit der europäischen Volkswirtschaft mal einfach und gehen gleich zum Inhalt über.

Die Eurokrise wie inzwischen allseits bekannt sein dürfte ist eine Konsequenz der makröokonomischen Ungleichgewichte, die sich in Eurozone seit Einführung des Euro gebildet haben. Vereinfacht gesagt, Spanien: niedrige Zinsen zieht auswärtiges Geld an, kreiert eine Immobilienblase, beide kurbeln den Binnenmarkt an, Importe steigen an; Deutschland: viele Exporte vor allem durch (teilweise erzwungene) Lohnzurückhaltung und aus dem Land abfließende Gelder.

Wie lassen sich nun diese Ungleichgewichte beseitigen (und beseitigt werden müssen sie, wenn Deutschland nicht in einer Fiskalunion diese Defizite dauerhaft finanzieren will, siehe Mississippi oder den Mezzogiorno oder Ostdeutschland)? Mehr Exporte nach (unter anderem) Deutschland für Spanien, damit auch die Geldflüsse wieder rückläufig werden. Wie erreichen wir diese steigenden Importe in Deutschland bzw Exporte in Spanien? Lohnsteigerungen in dem einen Land, Lohnzurückhaltung und/oder – idealerweise – Produktivitätszuwächse in dem andere. Das dies passiert, dafür gibt es zum Glück erste Zeichen, aber es nur über Lohnzurückhaltung in Spanien zu erreichen wollen ist nicht nur kostspieliger für Europa als solches (weil der nationale Binnenmarkt darunter leidet), sondern auch wie wir gleich noch sehen werden weniger interessant für die Deutschen.

Die Welt behauptet hier dies sei Blödsinn (und sagt das im Prinzip auch fast so), weil – beispielhaft – “die Lufthansa nicht nur in Europa mit Alitalia oder den Überresten von Iberia konkurriert, sondern international auch und vor allem mit den großen amerikanischen, chinesischen und neuerdings arabischen Carriern.” Das stimmt natürlich und gilt auch nicht nur für Lufthansa, sondern genauso jedes andere im extra-europäischen Handel beteiligten Unternehmen. Aber, solange der Euro nicht unterbewertet ist (wie es die nicht existierende DM innerhalb der Eurozone ist oder die chinesische Währung international), wird der europäische Handelsüberschuss gegen Null tendieren. Das heißt mit anderen Worten in Bezug auf den deutschen und spanischen Handelsüberschuss reden wir von einem Nullsummenspiel, wo der Zuwachs des einen der Rückgang des anderen bedarf. Wenn wir die Ungleichgewichte, welche zu der Krise geführt haben also beseitigen wollen, müssen wir Deutschlands Exportüberschuss angehen, da führt kein Weg daran vorbei. Und auch kein abstruser Fußballvergleich.

Letzter Punkt, die Deutschen so wird impliziert würden unter einer solchen Lohnsteigerungspolitik in Deutschland leiden. Das muß man sich jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen, es ist also schlecht für die Deutschen, wenn sie mehr Geld verdienen, sich mehr leisten können (Binnenkonsum ansteigen lassen) und nicht wie die letzten zehn Jahre de facto auf der Arbeitnehmer/Einkommensseite von den Vorteilen des Wirtschaftswachstum bzw Exportwunder ausgeschlossen zu sein. Dieser Aufschwung hat natürlich auch die Arbeitslosenzahlen reduziert, das bleibt außer Frage und muß berücksichtigt werden, aber ansonsten wären es ja nicht die Deutschen, die unter Lohnsteigerungen leiden würden (sie würden vielmehr davon profitieren, ist ja auch logisch, siehe oben), sondern die deutsche Exportwirtschaft und dann – idealerweise – noch die Arbeitgeber-/Kapitalseite im Allgemeinen. Denn man sollte ja nicht vergessen, daß die letzten zehn Jahre erstens mit einem hohen Anstieg in sozialer Ungleichheit einhergingen und zweitens mit einer Mehrung von Profit auf der Kapital- nicht auf der Arbeitnehmerseite.

Brandgefährliche Voodoo-Ökonomik, stimmt schon…

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