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Archive for April, 2013

Brandgefährliche Voodoo-Ökonomik

Die Welt kommentiert Olli Rehns Meinung, daß Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren solle, damit es Europa besser geht, als brandgefährliche Voodoo-Ökonomik. Leider scheinen sie dahinter liegende wirtschaftliche Problematik nur begrenzt zu verstehen. Und verwechseln zusätzlich blinder Weise die Deutschen mit der deutschen Exportwirtschaft.

Wir ignorieren den populistisch-sinnfreien Vergleich des unterschiedlichen Fitnesszustandes einer Fußballmannschaft mit der europäischen Volkswirtschaft mal einfach und gehen gleich zum Inhalt über.

Die Eurokrise wie inzwischen allseits bekannt sein dürfte ist eine Konsequenz der makröokonomischen Ungleichgewichte, die sich in Eurozone seit Einführung des Euro gebildet haben. Vereinfacht gesagt, Spanien: niedrige Zinsen zieht auswärtiges Geld an, kreiert eine Immobilienblase, beide kurbeln den Binnenmarkt an, Importe steigen an; Deutschland: viele Exporte vor allem durch (teilweise erzwungene) Lohnzurückhaltung und aus dem Land abfließende Gelder.

Wie lassen sich nun diese Ungleichgewichte beseitigen (und beseitigt werden müssen sie, wenn Deutschland nicht in einer Fiskalunion diese Defizite dauerhaft finanzieren will, siehe Mississippi oder den Mezzogiorno oder Ostdeutschland)? Mehr Exporte nach (unter anderem) Deutschland für Spanien, damit auch die Geldflüsse wieder rückläufig werden. Wie erreichen wir diese steigenden Importe in Deutschland bzw Exporte in Spanien? Lohnsteigerungen in dem einen Land, Lohnzurückhaltung und/oder – idealerweise – Produktivitätszuwächse in dem andere. Das dies passiert, dafür gibt es zum Glück erste Zeichen, aber es nur über Lohnzurückhaltung in Spanien zu erreichen wollen ist nicht nur kostspieliger für Europa als solches (weil der nationale Binnenmarkt darunter leidet), sondern auch wie wir gleich noch sehen werden weniger interessant für die Deutschen.

Die Welt behauptet hier dies sei Blödsinn (und sagt das im Prinzip auch fast so), weil – beispielhaft – “die Lufthansa nicht nur in Europa mit Alitalia oder den Überresten von Iberia konkurriert, sondern international auch und vor allem mit den großen amerikanischen, chinesischen und neuerdings arabischen Carriern.” Das stimmt natürlich und gilt auch nicht nur für Lufthansa, sondern genauso jedes andere im extra-europäischen Handel beteiligten Unternehmen. Aber, solange der Euro nicht unterbewertet ist (wie es die nicht existierende DM innerhalb der Eurozone ist oder die chinesische Währung international), wird der europäische Handelsüberschuss gegen Null tendieren. Das heißt mit anderen Worten in Bezug auf den deutschen und spanischen Handelsüberschuss reden wir von einem Nullsummenspiel, wo der Zuwachs des einen der Rückgang des anderen bedarf. Wenn wir die Ungleichgewichte, welche zu der Krise geführt haben also beseitigen wollen, müssen wir Deutschlands Exportüberschuss angehen, da führt kein Weg daran vorbei. Und auch kein abstruser Fußballvergleich.

Letzter Punkt, die Deutschen so wird impliziert würden unter einer solchen Lohnsteigerungspolitik in Deutschland leiden. Das muß man sich jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen, es ist also schlecht für die Deutschen, wenn sie mehr Geld verdienen, sich mehr leisten können (Binnenkonsum ansteigen lassen) und nicht wie die letzten zehn Jahre de facto auf der Arbeitnehmer/Einkommensseite von den Vorteilen des Wirtschaftswachstum bzw Exportwunder ausgeschlossen zu sein. Dieser Aufschwung hat natürlich auch die Arbeitslosenzahlen reduziert, das bleibt außer Frage und muß berücksichtigt werden, aber ansonsten wären es ja nicht die Deutschen, die unter Lohnsteigerungen leiden würden (sie würden vielmehr davon profitieren, ist ja auch logisch, siehe oben), sondern die deutsche Exportwirtschaft und dann – idealerweise – noch die Arbeitgeber-/Kapitalseite im Allgemeinen. Denn man sollte ja nicht vergessen, daß die letzten zehn Jahre erstens mit einem hohen Anstieg in sozialer Ungleichheit einhergingen und zweitens mit einer Mehrung von Profit auf der Kapital- nicht auf der Arbeitnehmerseite.

Brandgefährliche Voodoo-Ökonomik, stimmt schon…

Der wahre politische Preis eines deutschen Rückzugs aus dem Euro

Der Wirtschaftswurm hat einen Blogpost über die politische Seite eine geordneten Ausstiegs Deutschlands aus der Eurozone geschrieben. Er will hier die Möglichkeiten des von der momentanen Mediensensation Alternative für Deutschland (AfD) geforderten Ende des Euros ausloten. Für eine Diskussion der politischen Elemente eines deutschen Rückzugs aus dem Euro greift seine Analyse aber merkwürdig kurz.

Das fängt damit an, daß er meint, Deutschlands Exporte würde unter dem Wirtschaftseinbruch in den Südländern leiden. Das stimmt sicherlich, aber inwiefern soll sich das denn mit einer radikal aufgewerteten DM ändern? Das ist aber nur ein Nebenschauplatz, relevanter erscheint was denn nun auf der politischen Seite nötig wäre. Die AfD würde eine Verhandlungslösung über eine Änderung der EU-Verträge um eine Austrittsoption für den Euro einzuführen fordern. Bernd Lucke wolle die “Auszahlung weiterer Hilfstranchen an die Krisenländer verweigern, bis man sich auf Ausstiegsklauseln geeinigt hat.”

Leider bewertet das der Wirtschaftswurm nicht weiter, denn es ist natürlich bei weitem nicht so einfach und vernünftig wie hier dargestellt. Nehmen wir also mal an, eine neue Bundesregierung will eine solche Ausstiegsklausel einführen. Erstens würde die Existenz derselben die Eurokrise verstärken, weil diese ja letzten Endes eine Vertrauenskrise ist. Zweitens, und hier wird es wirklich politisch, benötigt man für eine Änderung der EU-Verträge eine einstimmige Mehrheit aller Mitgliedsstaaten.

Konkret heißt das, daß das Vereinigte Königreich für seine Zustimmung mehr opt-outs vielleicht in einigen Bereichen im Allgemeinen weniger Integration fordern wird. Aus der Sichtweise der PIIGS wird es auch Wünsche geben im Gegenzug gegen die de facto Aufgabe des Euro – für die Bewahrung desselben die gleichen Länder schließlich seit Jahren leiden. Wird Frankreich die Möglichkeit ergreifen wollen und seine Industrie ein wenig besser gegen die Exportmaschinerie schützen zu wollen? Wie sieht es mit den – zu Recht – beleidigten Zyprioten aus, was ist ihr Preis? Was fordern die Balten, welche den Euro als ihre Zukunft ansehen und hierfür harsche wirtschaftliche Zeiten durchmachten?

Der politische Preis einer Änderung der EU-Verträge um eine Euroausstiegsklausel einzufügen wird hoch sein. Der Binnenmarkt wird hochwahrscheinlich darunter leider, denn warum soll ich als, say, Griechenland etwas für Deutschland tun ohne mich als Land ein wenig mehr zu schützen, SYRIZA (aber auch z.B. Mélenchon) would have a field day with this. Integration in anderen Bereichen würde wohl auch zurückgehen, ein two speed Europe würde sich wohl verfestigen (was jetzt nicht unbedingt schlecht ist).

Ein Ausstieg Deutschlands aus der Eurozone würde also nicht nur nicht so reibungslos ablaufen wie es die AfD behauptet, er würde außerdem auch hohe politische (und wirtschaftliche) Kosten für Deutschland haben. Ich will hier gar nicht mit der dramatischen Friedenskeule kommen, aber ein Ende des Euros wäre das Scheitern eines gewichtigen und symbolischen Teils europäischer Integration, und hätte als solches eine Auswirkung auf andere Aspekte dieser Integration, das dürfte glaube ich erstens außer Frage stehen und muß zweitens in Betracht gezogen werden. Zumindest für mich ist die Konsequenz welche hieraus gezogen werden muß klar.

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The Rigidity of Labour Markets and the Crisis

Matt Yglesias put up a post about whether Labor Market Institutions Explain The Crisis.

It’s an interesting subject that I’ve been working with quite closely for my thesis, his argument essentially is that until very recently Germany was seen as belonging to the ‘bad basket of overregulated European labor markets’ and that thus flexibility of the labor market is insufficient to explain performance in the crisis. I kind of agree but am a) not really convinced by a statistical measure that claims Germany has a less flexible labour market than France does and b) DO see a clear (if not exclusive) link between the unemployment rate and rigidity of employment protection during the crisis.

On what concerns a), the OECD has developed a EPL (employment protection legislation) index, which inspires more trust in me than the Fraser Institute (whom I am not familiar with though, maybe it is amazing). According to this index Germany’s labour market legislation is less rigid (if not massively) than France, Spain, and Portugal. Note that Spanish and Portuguese reforms in 2011-2012 are not yet contained in this graph.

Screenshot from 2013-04-11 17:20:43Source: EU Employment Observatory

More importantly though, and on b), it is the nature of flexibility that truly matters in the end. Thus, both Spain and Portugal showcase strong duality between permanent and fixed-term contracts coupled with a very low degree of wage and working-time flexibility due to the manner in which collective wage bargaining is handled (a more detailed discussion of which would go to far here). The combination of these two means that adjustment in the Spanish and Portuguese labour markets occurs almost exclusively on the employment and not on the wage and working-time side (as it did in Germany with its famed Kurzarbeitprogramm – short work programme). Additionally, the people who are being fired are those that can be fired at a less costly price, meaning the ones who are on “atypical”, fixed-term contracts with lower severance payment benefits.

Especially the Spanish labour market due to its dual nature, directly linked to the flexibility of its – differing – labour contracts, is extremely pro-cyclical then. During the boom years of the late 1990s / early 2000s, an astonishing number of people were integrated into the economy. The reverse has happened in response to the crisis with unemployment jumping up even while Spain’s loss in GDP has actually been – relatively – limited. Increased flexibility for permanent contracts or a reform of the collective wage bargaining mechanism (which initially has been done with results not yet clear as the reform dates from February 2012) would have had (and hopefully will) have an impact on unemployment then.

Having said all that it is clear that other factors including export performance, the drying up of the banking sector, domestic demand et al also play an important role in the determination of unemployment. Yglesis is thus right to point out that it is far from being a cure-for-all, wonder device.