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Archive for March, 2015

Heinrich August Winkler – Von Weimar zu Hitler

Die Arbeiterbewegung und das Scheitern der ersten deutschen Demokratie
Es war ein Fehler, daß die Sozialdemokratie die letzte Chance nicht nutzte. Denn was dann kam, die Ära der Präsidialregierungen,war nicht nur eine logische, sondern auch die allseits vorausgesehene Konsequenz des Bruches der Großen Koalition. Es war ebendiese Folge, die Hilferding schon im April 1930 zu dem Verdikt veranlaßte: „Es ist nicht gut, aus Furcht vor dem Tode Selbstmord zu verüben.“
Die SPD war die prowestlichste, vor allem die am meisten profranzösische Partei Deutschlands, und das machte sie aus Stalins Sicht zu einem gefährlichen außenpolitischen Gegner.
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Die KPD war die Partei derArbeitslosen, und sie wurde es in den Jahren der Weltwirtschaftskrise immer mehr; Arbeiter, die noch Arbeit hatten, neigten dagegen eher dazu, die SPD zu unterstützen.
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Die SPD war eine, nein die staatserhaltende Partei der Weimarer Republik; sie war es seit 1930, als dieser Staat weniger als je zuvor der ihre war, mehr denn je. Die KPD sah sich als eine, nein als die Partei des gewaltsamen Umsturzes schlechthin – und obwohl sie gar keine konkreten Revolutionspläne hatte, wurde sie weithin als das gesehen, was sie vorgab zu sein.
Der kommunistische Kampf gegen den „Sozialfaschismus“ war ebenso ein Beitrag zum Aufstieg Hitlers wie die kommunistischen Parolen und Aktionen, die den Nationalsozialisten seit 1929 Wähler zutrieben.
Der Umkehrschluß, daß eine einige „marxistische“ Arbeiterbewegung den Nationalsozialismus hätte verhindern können, erscheint dennoch gewagt.
In dem von Hilferding entworfenen „Prager Manifest“ der Exil-SPD vom Januar 1934 hieß es zur Revolution von 1918/19: „Daß sie den alten Staatsapparat fast unverändert übernahm, war der schwere historische Fehler, den die während des Krieges desorientierte deutsche Arbeiterbewegung beging“.
So gut wie niemand forderte 1918/19 eine Enteignung der ostelbischen Rittergutsbesitzer – derjenigen alten Führungsschicht, die sich bald als der entschlossenste Gegner der jungen Republik erweisen sollte und die
im Januar 1933 bei der Machtübertragung an Hitler die Schlüsselrolle spielte.
Sicher ist im Rückblick nur, daß Weimar ein Versuch war, den Grundwiderspruch des Reiches von 1871, den Gegensatz zwischen wirtschaftlicher und kultureller Modernität auf der einen und politischer Rückständigkeit auf der anderen Seite, aufzulösen. Die Restauration eines bürokratischen Obrigkeitsstaates unter Brüning markierte das Scheitern dieses Versuchs. Die Wahlerfolge der Nationalsozialisten waren auch ein populistischer Protest gegen die fortschreitende Ausschaltung der Massen.
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From Karl Ove Knausgaard’s Take on (North) America

I had never really understood how a nation that so celebrated the individual could obliterate all differences the way this country did. In a system of mass production, the individual workers are replaceable and the products are identical. The identical cars are followed by identical gas stations, identical restaurants, identical motels and, as an extension of these, by identical TV screens, which hang everywhere in this country, broadcasting identical entertainment and identical dreams. Not even the Soviet Union at the height of its power had succeeded in creating such a unified, collective identity as the one Americans lived their lives within. When times got rough, a person could abandon one town in favor of another, and that new town would still represent the same thing.

http://www.nytimes.com/2015/03/01/magazine/karl-ove-knausgaard-travels-through-america.html?emc=edit_th_20150227&nl=todaysheadlines&nlid=34196889&_r=0

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